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Positionen

Kürzungen verhindern Weiterentwicklung

An die Mitglieder der Direktorenvereinigungen in Baden-Württemberg
Information über geplante Kürzungen in der Verwaltungsvorschrift zur Arbeitszeit der Lehrkräfte


Liebe Kolleginnen und Kollegen,

im Namen der vier Direktorenvereinigungen im Land wollen wir uns argumentativ gegen die geplanten Kürzungen im Bereich der Arbeitszeit der Lehrkräfte wenden, von denen wir vor kurzem erfahren haben. Denn diese Kürzungen sind nicht nur ungerechtfertigt; sie machen unserem Auftrag, das Gymnasium weiterzuentwickeln, geradezu unmöglich.
Aus den Pressemitteilungen des PhV wissen Sie von den Planungen, wir möchten jedoch konkretere Hintergründe und insbesondere die veränderten Faktoren aufzeigen:

1) Im Bereich der Gymnasien wie auch der anderen Schularten werden die Anrechnungsfaktoren im allgemeinen Entlastungspool (AE) gekürzt; außerdem soll eine Streichung der zusätzlichen Stunden (2 WSt.) für Gymnasien verfügt werden. Das sind pro Gymnasium zusammen durchschnittlich ca. 5 Stunden und damit ca. 25% - also fast das Doppelte der geforderten / angegebenen 14%.
Konkret heißt das im Bereich der Gymnasien, Beruflichen Schulen und Realschulen:

o Kürzung des Faktors 0,5 auf 0,45 für die ersten 20 Klassen (knapp 40 Deputate),
o Reduktion des Faktors 0,4 auf 0,3 für die 21. bis 40. Klasse (45 Dep.),
o Kürzung des Faktors 0,2 auf 0,15 ab der 41. bis zur 50. Klasse (5 Dep.) und
o Kürzung des Faktors 0,1 ab der 51. Klasse auf 0,05 (10 Deputate);
o Streichung der zusätzlichen Stunden (2 WSt.) für Gymnasien (30 Dep.);

In der Praxis führt dies zu einschneidenden Kürzungen vor allem bei der Betreuung der naturwissenschaftlichen Sammlungen. Dies kann angesichts der wachsenden Anforderungen im Bereich der Sicherheit (vgl. die Vorgaben der Unfallkasse Baden-Württemberg und der Gemeindeunfallversicherungsverbände sowie die neuen Gefahrstoffverordnungen) von den Schulleitungen nicht verantwortet werden.

Den Sockel von 2 Stunden erhalten die Gymnasien bisher über die Anrechnungen der anderen Schularten hinaus, weil sie höhere Anforderungen zu leisten haben. Denn nur hier ist ein längerer Bildungsgang mit einem breiteren und differenzierterem Fächerangebot gegeben. Zudem sind die Anforderungen in allein 16 Fächern bis zum schriftlichen Abiturniveau zu erreichen; Eltern und Schüler erwarten zurecht, dass die SchülerInnen qualifiziert auf diesen höchsten Schulabschluss vorbereitet werden, dass die Lehr- und Lernmittel diesem hohen Niveau entsprechen und dass auch die Fachliteratur wie auch die pädagogisch- didaktische Ausstattung der Fachgruppen durch die Fachvorstände entsprechend ausgewählt und vorgehalten werden kann.

Aus diesem AE-Bereich müssen auch die Verbindungslehrkräfte (SMV-Betreuung), die Lehrkräfte für die Berufsorientierung an Gymnasien (Bogy), die Lehrkräfte, welche die EDV-Anlage betreuen und weitere für die Schule zwingend notwendige Aufgaben (Sucht- und Gewaltprävention, Streitschlichter…) mit Deputatsstunden ausgestattet werden.

Kürzungen im allgemeinen Entlastungsbereich können erst dann akzeptiert werden, wenn z. B. der Schulträger adäquate Fachkräfte zur Verfügung stellen kann und stellt. Erhöhte Ausgaben der Schulträger führen mit etwas Zeitverzögerung zu erhöhten Pauschalen beim Sachkostenersatz – und damit wiederum zu erhöhten Ausgaben im Kultusbereich. Ob dies zielführend ist, bleibt fraglich. Denkbar wäre jedoch, dass die Schulträger gegen Kostener-satz die entsprechenden Deputatsanteile finanzieren; es handelt sich schließlich bei allen Lehr- und Lernmitteln um Eigentum der Schulträger.

2) Auch sollen Ausbildungslehrkräfte je betreuter Gruppe im Schulpraxissemester nur noch eine Wochenstunde statt bisher zwei erhalten. Und dies, obwohl sich der Aufwand für die Schulen und die Ausbildungslehrkräfte durch die Einführung des Orientierungspraktikums (seit kurzem Pflicht zu Beginn des Studiums) ohne Ausgleich deutlich erhöht hat.
Die Ausbildung am Gymnasium war schon immer komplex, da allen PraktikantInnen Ein-blick in drei Stufen incl. Abituranforderungen zu geben ist und das Reflektionsniveau entsprechen höher zu sein hat. Der Abstand der PraktikantInnen zur eigenen gymnasialen Schulzeit, die ja beim Orientierungspraktikum zum Teil nur wenige Wochen oder Monate zurückliegt, ist an allgemeinbildenden und beruflichen Gymnasien weniger gegeben, als an Grund- oder Realschulen – deshalb muss der Rollenwechsel und die andere Perspektive bei uns in besonderer Weise in den Blick genommen und thematisiert werden.

3) Die bisherigen Entlastungsstunden / Anrechnungen für allgemein bildende Gymnasien für die Organisation und Koordination der Hausaufgabenbetreuung sowie Qualifizierung der Hausaufgabenbetreuer sollen vollständig gestrichen werden.

Das 2008 vom Ministerrat beschlossene Programm zur Hausaufgabenbetreuung in G8 - Gymnasien sah u. a. vor, dass alle Gymnasien verpflichtet sind, eine Hausaufgabenbetreuung, vorrangig in den Klassenstufen 5 - 7, anzubieten.

Unter allen Schularten standen die Gymnasien vor besonderen Herausforderungen, da sie als einzige Schulart zusammen mit der Bildungsreform auch eine Verkürzung der Schulzeit zu meistern hatten. Diese Verkürzung der Schulzeit ist nach wie vor gegeben – außer in den wenigen G-9 Gymnasien. Sie ist begründet in den KMK-Verordnungen und daher eine externe Setzung, die u. E. berücksichtigt werden muss.

Auch hat das Gymnasium als einzige Schulart aus diesem Grund einen extrem vollen Stundenplan – die Pflichtstunden sind einfach nicht zu leugnen – und dies ohne die Rahmenbedingungen der gebundenen Ganztagesschulen zu haben. Und die offenen Ganztagesschulen als Erlass-Schulen des Landes - nicht wenige Gymnasien sind dies – haben keine Personalausstattung, um ohne die Hausaufgabenbetreuungsstunden zurechtzukommen. Diese Hausaufgabenbetreuung ist jedoch u. E. gemeinsam mit den Anstrengungen der Schulen einer der Gründe dafür, dass die Akzeptanz des G8 sich in den letzten Jahren verbessert hat; sollte die Hausaufgabenbetreuung wegfallen, rechnen wir mit einer schwindenden Akzeptanz des G8 bei vielen Eltern.
Zusätzlich hat seit dem Wegfall der Verbindlichkeit der Grundschulempfehlung die Heterogenität an den Gymnasien zugenommen; wir stellen fest, dass gerade in diesem Schuljahr die individuelle Betreuung der Kinder in der Klasse 5 und im kommenden Schul-jahr in den Klassen 5 und 6 in deutlich höherem Maße benötigt wird als zuvor.
Bei den Realschulen wurde im Landtag auf die Anfrage nach der Hausaufgabenbetreuung an den Gymnasien (Drucksache 15/1248) im März 2012 noch geantwortet, dass die Realschulen aus nachvollziehbaren Gründen im Umfang von insgesamt 200 Lehrerdeputa-ten einen Förderpool zur schulspezifischen Schwerpunktsetzung wie zum Beispiel Hausauf-gabenbetreuung oder andere Förder- und Differenzierungsmaßnahmen zur Verfügung gestellt bekommen.

Alle Gymnasien hatten 2008 mit der Begründung der verkürzten Schulzeit und der hohen Stundenbelastung der SchülerInnen je nach Größe Anrechnungsstunden zwischen 3 und 6 Wochenstunden zur Organisation und Koordination der Hausaufgabenbetreuung sowie Qualifizierung der Hausaufgabenbetreuer erhalten.

Die Hausaufgabenbetreuer sind im Normalfall Oberstufenschüler, die insgesamt maximal 3 Jahre an den Gymnasien tätig sind. Die neu zu findenden BetreuerInnen müssen Jahr für Jahr neu qualifiziert und betreut werden – und dafür benötigen wir Lehrkräfte.

Und auch in der Hausaufgabenbetreuung sind nachmittags ohne Frage Lehrkräfte als Ansprechpartner notwendig. So kommt in nicht wenigen Gymnasien z. B. zu je 3-5 anwesenden Schülermentoren eine Lehrkraft, die beaufsichtigt, betreut, für Fragen zur Verfügung steht und als AnsprechpartnerIn bei Problemen wie auch als OrganisatorIn bei den Ausfällen der ehrenamtlichen Mitarbeiter zur Verfügung steht.

Dies ist eine Daueraufgabe der Gymnasien, die von den Schulen verantwortet und betreut wird und auf deren gute Erfüllung sich die Eltern verlassen. Gerade die Eltern erwarten die Präsenz und das Engagement der Lehrkräfte in der Ausbildung und Betreuung der ehrenamtlichen SchülermentorInnen, weil dadurch die Qualität dieser Hausaufgabenbetreu-ung aus Elternsicht gewährleistet wird.
Im Zuge der zunehmenden Forderung der Eltern nach einer deutlich besseren und zeitlich umfassenderen individuellen Betreuung der Schülerinnen und Schüler darf in diesem Bereich auf keinen Fall gekürzt werden. Diese Stunden sind für die Schulen unverzichtbar.

Wir werden diese Argumente auch in einem Brief an den Kultusminister vorbringen, um unsere Interessen nachdrücklich zu vertreten.

Mit freundlichen Grüßen

Michael Burgenmeister, Vorsitzender der Direktorenvereinigung Nordwürttemberg (www.dv-nw.de)
Brigitte Röder, Vorsitzende der Direktorenvereinigung Südwürttemberg (www.dv-sw.de)
Heribert Hertramph, Vorsitzender der Direktorenvereinigung Südbaden
Hugo Oettinger, Vorsitzender der Direktorenvereinigung Nordbaden

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